2015 Mittenwald

Wettbewerb Kunstmuseum Mittenwald

Mittenwald Museum Post

Wettbewerb
1. Platz mit Pool Leber Architekten und Zaharias Landschaftsarchitekten

Architektur
Pool Leber Architekten BDA, München

Landschaftsplanung
Zaharias Landschaftsarchitekten, München

Renderings
Pool Leber
DAY & LIGHT

Projektteam
Frank Vetter
Alan Al Salihi

Architektur Licht Landschaftsarchitektur - 1. Platz beim Wettbewerb

Mittenwald Museum Post

Die Lichtgestaltung der Ausstellungsräume, des Erschließungsriegels und der Außenanlagen verbindet Kunst, Architektur und Garten zu einem ruhigen, stimmigen Gesamtbild – bei Tag und bei Nacht.

In den Ausstellungsräumen prägt ein weicher, gefilterter Tageslichteinfall die Atmosphäre. Vor den Fenstern liegende Gewebe‑Screens verhindern direkten Sonneneinfall, reduzieren und streuen das Tageslicht. Dadurch entsteht ein wirksamer Lichtschutz für die Gemälde: empfindliche Oberflächen werden geschont, starke Kontraste und Blendungen werden vermieden. Zugleich verringern die Screens das Kontrastverhältnis zwischen den hellen Fensterflächen und den Bildflächen, sodass der Blick ruhig auf den Kunstwerken verweilen kann.

Die Lichtführung nimmt direkten Bezug auf die Ausstellung: Durch die Screens bleibt der Außenblick gezielt kontrolliert. Nur an ausgewählten Fensterflächen wird der Blick nach draußen freigegeben. So entstehen konzentrierte, nach innen gerichtete Ausstellungsräume, die an bestimmten Punkten bewusst mit Ausblicken in den Garten oder in den Stadtraum verknüpft werden.

Ein besonderes Element ist das „Cézanne‑Zimmer“. Ein Deckendurchbruch bringt Tageslicht von oben in den Raum, während die Helligkeit am Fenster im Erdgeschoss stark reduziert ist. Das Licht fällt somit vorrangig von oben ein und schafft eine ausgewogene, ruhige Grundhelligkeit. Die Raumwirkung wird beruhigt, die Werke erhalten eine gleichmäßige, natürliche Ausleuchtung. Ergänzend sorgen schlichte Strahler an Stromschienen für eine reflex- und blendfreie Beleuchtung der Bilder. Sie sind so positioniert, dass keine störenden Spiegelungen auf Glas oder glänzenden Oberflächen entstehen und die Technik optisch in den Hintergrund tritt.

Der Erschließungsriegel bildet das lichtdurchflutete Rückgrat des Gebäudes. Tagsüber sorgen großzügige Verglasungen für intensive Tageslichtnutzung und vielfältige Blickbeziehungen zwischen Innen und Außen. Die hohe Transparenz ermöglicht Aus- und Einblicke: Der Garten und insbesondere die Birnbäume werden Teil der räumlichen Erfahrung.

Um Spiegelungen in den Glasflächen zu minimieren, ist die künstliche Beleuchtung hier bewusst zurückhaltend konzipiert. Die Leuchtdichte an Wänden und Decke bleibt niedrig, nur die horizontalen Flächen werden direkt ausgeleuchtet. Dadurch ergeben sich im Glas kaum Reflexionen, der Blick nach draußen bleibt frei; umgekehrt lässt der Riegel schon von der Eingangsseite aus den dahinterliegenden Garten sichtbar werden. Die Leuchten sind deckenbündig, schlicht und unauffällig integriert. Trotz ihrer Zurückhaltung erzeugen sie Brillanz und Plastizität und lassen Personen und Objekte im abendlichen Bild angenehm natürlich erscheinen – ohne harte Schatten oder „Lichtinseln“.

Abends werden die Birnbäume im Garten dezent angestrahlt. Sie zeichnen sich klar vor dem dunklen Hintergrund ab und bilden durch die Verglasung des Erschließungsriegels einen ruhigen, prägnanten Blickpunkt. Das Licht verknüpft Innenraum und Garten zu einem zusammenhängenden Raumgefüge.

In den Außenanlagen liegt der Schwerpunkt auf sicherer, blendfreier Orientierung. Vor dem Haupteingang bleiben alle Lichtpunkte bewusst niedrig und unterhalb der Augenhöhe. Lichtpoller entlang der Wege sowie in den Handlauf integrierte Leuchten an der Treppe markieren Wege und Stufen, ohne störende Lichtquellen im direkten Blickfeld zu erzeugen. So wird die Orientierung klar unterstützt, ohne den Außenraum zu überhellen.

Diese niedrige Lichtführung verhindert auch starke Spiegelungen in der Verglasung des Erschließungsriegels. Das Innere bleibt erlebbar, der Garten mit seinen akzentuiert beleuchteten Birnbäumen wird vom Innenraum aus als ruhiges Lichtbild wahrgenommen. Insgesamt entsteht ein zurückhaltendes, präzises Beleuchtungskonzept, das Kunst, Menschen und Umgebung in ein ausgewogenes, natürlich wirkendes Licht setzt.

GALERIE

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